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07 January
2005

[1-Euro-Jobs: Jobkiller oder Jobmaschine?]  Oder gar eine Geldmaschine? Der Berliner Verleger Hans J. Heinrich möchte mit 20.000 Ein-Euro-Jobs Kulturgut in Museen, Archiven, Bibliotheken usw. digitalisieren. Das Kulturgut soll aber nicht nur digitalisiert, sondern die Digitalisate sollen vermarktet werden: »Denn mit den Bildrechten soll das Museum oder das Archiv schließlich Geld verdienen. Erwartet werden 20 bis 50 Millionen Euro Jahresumsatz.« Dazu Klaus Graf: » Geht es aber um gemeinfreie Werke, so sollte Kulturgut, wie von der Berliner Erklärung gefordert, nach den Grundsätzen von Open Access kosten- und LIZENZFREI im Internet zur Verfügung stehen. Nach überwiegender Ansicht entsteht durch die originalgetreue Digitalisierung kein Schutzrecht im Sinne des Urheberrechts (§ 72 UrhG). Die Massendigitalisierung zweidimensionaler Vorlagen kann ein solches Recht auf keinen Fall entstehen lassen. Die Institutionen können sich also gegenüber Verwertern nur auf ihr Datenbankschutzrecht berufen, aber hinsichtlich der Entnahme einzelner gemeinfreier Bestandteile ist es fraglich, ob dieses die in Aussicht genommenen Gewinnerwartungen rechtfertigt. Online-Nutzungsverträge binden immer nur den jeweiligen Nutzer, wenn dieser die Reproduktion abdruckt, kann ein Dritter die Abbildung rechtefrei verwerten.« [Archivalia]

Die Werther-Leserin

Auf einen weiteren Aspekt weist Linda Link in Ihrem Weblog Klausener Platz hin: »Erst werden den Museen staatliche Zuwendungen gekürzt, so dass sie kein Personal für den IT-Bereich einstellen können. Die Aufgaben müssen extern vergeben werden, also machen sich die damit beauftragten Leute selbständig, dann kommt wieder der Staat und nimmt den neugegründeten Firmen mit 1-Euro-Jobs die Aufträge weg.« Außerdem hat sie — angeregt durch die NachDenkSeiten — ausgerechnet, daß 20.000 1-Euro-Jobs durch die großzügig gewährten
»Verwaltungskosten« in jedem Fall schon mal einen Profit von 5 Millionen Euro einbringen, egal ob, der »pfiffige« Unternehmer etwas verkauft oder nicht. [Linda Link vom Klausener Platz per Email.]

Ungewohnt unkritisch dagegen Torsten Kleinz in der Telepolis: Digitalisierung deutscher Kulturgüter als Jobmaschine. Das größte Kulturunternehmen Deutschlands soll auf Basis von Tausenden von Ein-Euro-Jobs entstehen. Kein Wort über Open Access und die damit verbundenen Fragen dort. [Telepolis News]

Comments
Re: 1-Euro-Jobs: Jobkiller oder Jobmaschine?

ich darf mir die berliner erklärung nicht ansehen :(
You don't have permission to access /openaccess-berlin/berlindeclaration.html on this server.

Posted by: hedrik at January 07,2005 11:54
Re: 1-Euro-Jobs: Jobkiller oder Jobmaschine?

Der Artikel ist nicht "unkritisch" - er beschäftigt sich mit einem anderen Aspekt der Pläne. Wäre tatsächlich eine Organisation vorhanden, die sich zuständig fühlt, könnte man auch über OpenAccess reden.

Im übrigen sind die Regiekosten (die heißen tatsächlich so) zunächst Einnahmen und nicht Profit. Von dem Geld muss natürlich alles bezahlt werden: von Arbeitsmaterial, Schulung, Bürokräfte bis hin zur Kunstversicherung.

Posted by: Torsten Kleinz at January 07,2005 11:55
Re: Berliner Erklärung

Sorry, das ZIM wird gerade umstrukturiert (oder so etwas): Dieser Link funktioniert. (Habe ich oben auch berichtigt.)

Torsten: Meiner Meinung darf man über dieses Projekt nicht reden, ohne den Open Access-Aspekt zu erwähnen, resp. darauf hinzuweisen, daß das Porjekt eben gerade nicht Open Access ist. Und mindestens eine Organisation, die sich zuständig fühlen würde, gibt es auch.

Posted by: Der Schockwellenreiter at January 07,2005 12:13
Re: 1-Euro-Jobs: Jobkiller oder Jobmaschine?

Ich meinte eine Organisation, die sich für die Ein-Euro-Kräfte bzw die Verwertung der digitalisierten Inhalte zuständig fühlt.

Posted by: Torsten at January 07,2005 12:18
Re: 1-Euro-Jobs: Jobkiller oder Jobmaschine?

Ja, ich auch. Wobei »Verwertung« bei ECHO grundsätzlich Open Access heißt. Hier hat meiner Meinung nach jemand eine »Geschäftsidee« entwickelt, ohne nachzufragen, ob und welche Initiativen sich schon mit der Digitalisierung der »Kulturgüter« in Museen, Archiven und Bibliotheken beschäftigen. Und das ist ein ziemlicher Schlag ins Gesicht dieser Initiativen.

Posted by: Der Schockwellenreiter at January 07,2005 12:20
Re: 1-Euro-Jobs: Jobkiller oder Jobmaschine?

Das ist das schöne an dem Konzept: jede Initiative, die es besser als Herr Heinrich machen will, kann sich um die Ein-Euro-Arbeitskräfte bemühen. Es ist noch kein Vertrag mit irgendwem unterschrieben.

Posted by: Torsten at January 07,2005 13:05
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