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Von RMarkdown über das OpenWeb zum IndieWeb und zurück (zur WorldMarkdown)

Das RMarkdown-Package für RStudio ist in der Version 0.9.5 erschienen. Neben vielen anderen Neuerungen gibt es unter anderem neue Ausgabe-Formate wie GitHub Flavoured Markdown, RTF und ODT, die zu den bisherigen Custom Formats hinzugekommen sind. Das Besondere an diesen Custom Formats ist ja, daß sie es erlauben, mit Hilfe von Markdown (genauer Pandoc) Dokumente zu erzeugen, die ja nicht unbedingt R-Dokumente sein müssen (RStudio mit RMarkdown kann man auch ohne R nutzen). Eigentlich ist damit jede Form von Publikationen möglich, die dann wahlweise nach HTML, LaTeX, PDF oder anderen Formaten herausgeschrieben werden.

Eines der interessantesten Ausgabeformate ist das Tufte Handout-Format, das den Stil implementiert, welchen der Informationswissenschaftler und Graphik-Designer Edward Tufte für seine Publikationen verwendet hatte. Er macht intensiven Gebrauch von Randbemerkungen und -notizen, bindet Graphiken auf vielfältige Art ein und ist auch im Bereich der Typographie State of the Art. Man kann also nun mit RStudio und RMarkdown ganz einfach Artikel und Bücher verfassen, die sowohl im Print wie auch im Web immer gut aussehen.

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Mehr noch, aus diesem Projket sind zwei Unterprojekte entstanden, die sowohl Tufte-LaTeX wie auch Tufte CSS unter einer freien (Apache- resp. MIT-) Lizenz zur Verfügung stellen. Damit sollte es unter anderem möglich sein, dieses Ausgabeformat auch in meine WorldMarkdown einzubauen. Da die HTML-Ausgabe auch noch responsive ist, könnte mir das auch beim Umbau des Schockwellenreiters weiterhelfen. Unter Umständen müßte ich dann allerdings RubyFrontier noch mit Pandoc verheiraten. Aber auch das sollte nicht unmöglich sein.

Im letzten Monat hatte ich ja über die Multimedia-Plattform NewHive und die Präsentationsplattform Swipe berichtet, die – obwohl ich sie für gefährliche Datensilos halte – durchaus für testwürdig befunden hatte. Denn einen Vorteil bringen sie dem Nutzer: Sie ermöglichen es ihm, schnell und unkompliziert seine Arbeiten ins Netz zu stellen. Um letzteres aus den Datensilos zu befreien arbeite ich zur Zeit daran, das HTML-Slideshow-System S5, das ich für meine Präsentationen nutze, enger mit RubyFrontier und der WorldMarkdown zu verzahnen. Denn dann könnte ich direkt in diesem Blog Kritzelheft Vortragsfolien erstellen.

Und vor langer Zeit hatte ich doch mal mit Twine gespielt, einer Software, mit der man nichtlineare, interaktive Geschichten im Netz veröffentlichen konnte. Da sich dann jedoch abzeichnete, das Twine von Twine 2 abgelöst werden wird, das ein komplettes Redesign der Software werden sollte, habe ich meine Experimente erst einmal eingestellt. Vor kurzem bin ich wieder darüber gestolpert und das Warten hat sich gelohnt. Twine 2 kommt mit neuen Story-Formaten (Harlowe und Snowman), die beide Markdown unterstützen. Zwar ist das Einbinden von Multimedia-Elementen noch nicht so einfach gelöst, wie es bei Twine 1.4 war (hier wird aber Besserung versprochen), doch da sich Twine 2 auch als (freie) Desktop-Applikation (auf Basis von Node.js) herunterladen und nutzen läßt, wäre man auch hier dem Datensilo von NewHive entkommen. Denn mit Twine lassen sich nicht nur interaktive Text Adventures erstellen, sondern auch andere (nichtlineare) Erzählformen (wie z.B. Reportagen) für das Web realisieren.

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Überhaupt hat seltsamerweise gerade der Erfolg der Datensilos Medium und Fratzenbuchs Instant Articles gezeigt, wie man ein offenes Web jenseits der Datenkraken realisieren könnte. Der Nutzer will eine Software, die es ihm erlaubt, mit einfachsten Mitteln seine Inhalte unabhängig im Web zu veröffentlichen. Und Markdown bietet die Möglichkeit, statische Seiten als Webseiten (und mehr) herauszuschreiben. Sei es, daß man nur einen einfachen Editor wie MacDown nutzt oder mit mehr elaborierten Tools wie RStudio, Rodeo oder eben RubyFrontier arbeitet. Eine paar Websieten hat man damit schnell zusammengeschrieben und kann sie als statische Seiten auf dem Server der Wahl veröffentlichen – völlig unabhängig von den Datenkraken dieser Welt.

Und damit wären wir, ohne daß ich es bewußt angestrebt hätte, schon Teil des Indie-Webs, einer Bewegung, die über das offene Web hinausgeht und deren Ziel es ist, daß die Nutzer sich das Web zurückerobern. Denn das IndieWeb will uns wieder unabhängig von den Datenkraken machen und eine Dezentralisierung des Webs fördern. Die Webseiten IndieWebify.Me und Indie Web Camp schlagen Schritte vor, wie man Teil der IndieWeb-Bewegung werden kann. Dabei sind das alles keine ehern gegossenen Gesetze, sondern Vorschläge, wie man sich mit anderen vernetzt, ohne seine Unabhängigkeit zu verlieren. Das Hauptprinzip der IndieWeb-Bewegung heißt POSSE, eine Abkürzung, die für Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere steht.

Und da dies ja schon lange auch das Prinzip dieses Blogs Kritzelheftes ist, konnte ich erfreut feststellen, daß auch ich schon Teil der IndieWeb-Bewegung bin, ohne es vorher gewußt zu haben. Ein paar Dinge werde ich noch in die Header meiner Seiten einbauen, über andere noch ein wenig nachdenken.

Wer jetzt ebenfalls Blut geleckt hat: Am 16. April 2014 findet das erste deutsche IndieWebCamp in Nürnberg statt. Ich kann leider nicht dort sein, werde aber versuchen, die Diskussion weiter zu verfolgen.

Ich habe immer an ein unabhängiges und freies Web geglaubt und dafür gekämpft. Allein deshalb hatte ich die Idee der WorldMarkdown entwickelt. Und diesen Weg werde ich weiter verfolgen. Still digging! [Photo (cc): Jörg Kantel]

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(Kommentieren)  RMarkdown, OpenWeb, IndieWeb – 20160329 bitte flattrn

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Über …

Der Schockwellenreiter ist seit dem 24. April 2000 das Weblog digitale Kritzelheft von Jörg Kantel (Neuköllner, EDV-Leiter, Autor, Netzaktivist und Hundesportler — Reihenfolge rein zufällig). Hier steht, was mir gefällt. Wem es nicht gefällt, der braucht ja nicht mitzulesen. Wer aber mitliest, ist herzlich willkommen und eingeladen, mitzudiskutieren!

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