image image


image

GitHub Pages für den Schockwellenreiter?

Regelmäßige Leser des Schockwellenreiters wissen, daß mich seit geraumer Zeit (und speziell mit zunehmendem Alter) die Frage nach der Nachhaltigkeit der digitalen Projekte umtreibt. Es geht mir nicht nur um die Frage, wie man einen Provider oder Dienst auswählt, der möglichst lange existiert ohne seinen Betrieb einzustellen, sondern auch darum, was aus unseren Projekten wird, wenn wir diese Provider nicht mehr zahlen können. Ganz hart gesprochen geht es um die Frage »Was wird aus unseren Projekten nach unserem Tod?«

Ein Buch macht da keine Probleme. Einmal (auf möglichst säurefreiem Papier) gedruckt, überlebt es die nächsten 100 Jahre – und sei es nur, um in irgendeiner Bibliothek zu verschimmeln. Doch was ist zum Beispiel mit dem Schockwellenreiter? Gegenwärtig liegt er auf den Servern von Amazon S3. Das ist zwar ein wahnsinnig günstiger Service (ich zahle nach Traffic meist momentan unter 10 Euro im Monat) und ich traue Amazon zu, daß der Dienst auch noch ein paar Jahre überlebt. Aber wenn ich meine monatliche Rechnung nicht mehr bezahlen kann, dann wird mir Amazon gnadenlos den Saft abdrehen.

Daher bin ich mit meinen Überlegungen bei GitHub Pages gelandet. Der Dienst ist kostenlos und es steht mit Microsoft ein Riese dahinter, dem ich ebenfalls zutraue, die Server noch lange zu betreiben. Und im Gegensatz zu Google steht Microsoft nicht im Ruf der Wankelmütigkeit. Ein unvorhergesehenes Abschalten der Dienste ist also eher unwahrscheinlich. Zudem GitHub mit dem Arctic Code Vault Program (für das auch einige meiner Repositorien ausgewählt wurden) eigene Anstrenungen zur Nachaltig- und Langlebigkeit unternimmt1.

Die Speicherobergrenzen für den kostenlosen Dienst sind so großzügig, daß ich an sie wohl mit dem Schockwellenreiter nie kratzen werde. Daher werde ich mit meinem (geplanten) Wechsel zu Quarto (Nachtrag) wohl auch einen Umzug nach GitHub Pages vornehmen. Um dies vorzubereiten (ich hatte bisher mit GitHub Pages noch nie etwas angestellt), hier ein paar Video-Tutorials, die ich mir reinziehen und aus denen ich lernen möchte:

In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein paar Videos erwähnen, die eher mit Quarto und R Markdown, aber weniger mit GitHub Pages zu tun haben. Sie könnten aber für meinen geplanten Umstieg von RubyFrontier auf Quarto nützlich sein:

War sonst noch was? Ach ja, falls jemand von Euch da draußen mit seinem »zweiten Gehirn« seltsames vorhat, hier ist ein kurzes, dreiminütiges Video, das sie darin unterstützt: »Publish Logseq to Github Pages«.

Und ich möchte Euch beruhigen. Mit meiner Gesundheit geht es nach meinem Schlafanfall vor einem Jahr zwar langsam, aber stetig bergauf. Ich habe also nicht vor, so schnell den Löffel anzugeben – ich halte mich da eher an die Ermahnung meines 94-jährigen Vaters: »Denk daran, 100 ist Pflicht«. Aber vorsorgen schadet ja nie.


5 (Email-) Kommentare


There ain’t no free lunch. Als zusätzliches Backup ist GitHub in Ordnung. Aber nicht: entweder Webhoster oder GitHub. Kein kommerzieller Webhoster, Repository … wird langfristig durchhalten. Für die Langzeitarchivierung eignen sich nur nichtkommerzielle Projekte, also entweder ein bibliothekarisches Harvesting oder das Internet Archive.
Übrigens hat GitLab mein inaktives Repo schon gelöscht. Hatte ich erst vor kurzem bemerkt, weil ich die letzten drei Jahre nicht so genau hinsehen konnte. Sie hatten mich also auch nicht gewarnt, es ist einfach nicht mehr da, und ich kann mich nicht mehr einloggen. Recovery? Eher nicht.
Das Netz ist eine Karawane geblieben: Wir haben keine bleibende Stadt und ziehen immer weiter.

– Juergen F. (Kommentieren) (#)


1. GitHub Pages ist ein Webhoster (wie Amazon, Netlify oder Strato), das sollte man nicht mit GitHub (ohne »Pages«) als Online-Repositorium verwechseln. Sie sind zwar ohne Zweifel miteinander verbandelt, haben aber unterschiedliche Aufgaben.
2. Es geht mir nicht um die (Langzeit-) Archivierung (die erledigt auch bei mir das Internet Archive – mehr schlecht als recht), sondern darum, die Seite zur Verfügung zu stellen.
3. Natürlich hast Du Recht: Niemand kann langfristig vorhersagen, wie lange ein Dienst zur Verfügung steht. Hier geht es einfach darum, wem ich die Langfristigkeit mehr zutraue. Und das ist beim derzeitigen Stand meines Wissens GitHub/Microsoft.
4. Solange meine Karawane weiterziehen kann, zieht sie weiter (meine Seiten sind statische Seiten und es existieren davon mehrere Backups). Aber mir geht es um die Karawanen, die nicht mehr weiterziehen können.

– Jörg Kantel (Kommentieren) (#)


Auch wenn man GitHub Pages als Webhoster sieht, so muss doch auch dieser bezahlt werden, wie jeder andere Dienst auch. :) Alle kommerziellen Angebote können jederzeit gekündigt werden. Ein Unternehmen wird zwar im Prinzip auf unbestimmte Zeit gegründet, darauf ist aber kein Verlass. Deshalb suchst du eine Lösung zur Langzeitarchivierung. Ob das Internet Archive so etwas auf sehr, sehr lange Dauer leistet, ist ungewiss, das wird man in Jahrzehnten sehen. Mein TeX-Blog wird bei der DNB archiviert. Dadurch ist es sicher, kann aber nur im Lesesaal in Leipzig oder in Frankfurt gelesen werden.
Den Unterschied zwischen Archivierung und Verfügbarmachen sehe ich zwar grundsätzlich, er sollte aber nicht vorhanden sein. Deshalb bin ich unglücklich mit der Lösung der DNB, belasse es aber erstmal so.
Das Problem besteht tatsächlich darin, dass derjenige, der – aus welchen Gründen auch immer – irgendwann mal nicht mehr mit der Karawane weiterziehen kann, zurück bleibt, so dass der Content vollständig verloren geht, wenn es kein Backup gibt.
Was du suchst, ist deshalb zweierlei: Eine möglichst lange Finanzierung nach deinem Tod. Das leistet eine Lebensversicherung, die Geld ansammelt, solange du einzahlst, und ausschüttest, sobald du nicht mehr leben solltest. Das sollte auch in Form einer Rente gehen an einen bestimmten Dienst etc. Und das müsstest du dann aber koppeln mit einer Art Testamentsvollstreckung, die sich darum kümmert, dass nach deinem Tod für dein Blog gesorgt wird. Und beispielsweise auch die Karawane wechselt, wenn es dafür Zeit sein wird. Eigentlich bräuchten wir dafür eine Stiftung, damit das wirklich auf Dauer sichergestellt ist. Kommerzielle Lösungen sind immer nur Lösungen auf Zeit. Das gilt natürlich auch für die Versicherer… und hier schließt sich der Kreis… ;)

– Juergen F. (Kommentieren) (#)


An eine Stiftung hatte ich auch schon gedacht. Aber auch das ist sehr aufwendig. Und ob mir mein Blog diesen Aufwand wert ist…? Da versuche ich es doch lieber erst einmal mit GitHub Pages und hoffe, daß es nicht so schlimm kommt.

– Jörg Kantel (Kommentieren) (#)


Eine Stiftung ist heutzutage kaum noch sicher zu betreiben und erst recht sehr schwer neu zu gründen, weil es kaum noch Anlageerträge gibt. Man kommt schnell an den Punkt, dass da Stiftungsvermögen aufgezehrt wird. Selbst die Stiftung Warentest kam ins Trudeln, weil über sichere Geldanlagen kaum noch etwas einzunehmen ist. Das Internet Archive und die Wikimedia Foundation sind solche Stiftungen nach amerikanischem Recht, ursprünglich ganz ohne, aber mittlerweile auch mit sehr hohem Stiftungsvermögen und gleichzeitig sehr hohen Spendeneinnahmen. Hierzulande könnte man auch einen gemeinnützigen Verein gründen. Ein klassisches Beispiel für ein gemeinnütziges Webhosting ist Antville. Vielleicht könntest du mit Antville zusammenarbeiten? Sie hatten vor ein paar Jahren erst blogger.de gerettet und betreiben die Plattform seitdem weiter. Ein gemeinnütziger Verein in Wien, wo auch mein albatros fliegt.

– Juergen F. (Kommentieren) (#)

  1. Gitlab Pages hat sich mit der Ankündigung, Archive, die keinen Traffic mehr aufweisen, auf Eis zu legen, leider disqualifiziert. Denn es geht mir ja gerade darum, (statische) Seiten auch ohne Maintainer (passiv) am Leben zu erhalten. 


(Kommentieren) 

image image



Über …

Der Schockwellenreiter ist seit dem 24. April 2000 das Weblog digitale Kritzelheft von Jörg Kantel (Neuköllner, EDV-Leiter Rentner, Autor, Netzaktivist und ehemaliger Hundesportler — Reihenfolge rein zufällig). Hier steht, was mir gefällt. Wem es nicht gefällt, der braucht ja nicht mitzulesen. Wer aber mitliest, ist herzlich willkommen und eingeladen, mitzudiskutieren!

Alle eigenen Inhalte des Schockwellenreiters stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz, jedoch können fremde Inhalte (speziell Videos, Photos und sonstige Bilder) unter einer anderen Lizenz stehen.

Der Besuch dieser Webseite wird aktuell von der Piwik Webanalyse erfaßt. Hier können Sie der Erfassung widersprechen.

Diese Seite verwendet keine Cookies. Warum auch? Was allerdings die iframes von Amazon, YouTube und Co. machen, entzieht sich meiner Kenntnis.


Werbung

Diese Spalte wurde absichtlich leergelassen!


Werbung


image  image  image
image  image  image


image